PILLAR Grundlagen · 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert 04/2026

Point-of-Care Diagnostik in der Arztpraxis — Leitfaden 2026.

Dr. rer. nat. Peter Kubesch
Gründer · Naturwissenschaftler · Burgdorf Medical GmbH
TL;DR

Point-of-Care Diagnostik ist kein Luxus, sondern wird 2026 zum Standardwerkzeug jeder Praxis. Wer Influenza/RSV, Strep A und FOB selbst testet, spart Zeit, gewinnt Therapieschärfe — und entlastet das Labor. Dieser Leitfaden zeigt, wann POC sinnvoll ist, wie Sie Tests in den Alltag integrieren und welche Fehler Sie vermeiden.

1. Was ist POC-Diagnostik?

Point-of-Care Diagnostik bezeichnet alle Testverfahren, die am Ort der Patientenversorgung durchgeführt werden — statt im Zentrallabor. In Deutschland geht es in 95 % der Fälle um immunchromatographische Schnelltests auf Teststreifen: Einfach in der Handhabung, robust, Ergebnis in 10–20 Minuten.

Klassische Vertreter sind Influenza-, RSV- oder Streptokokken-A-Schnelltests für die HNO- und Hausarztpraxis. Neu seit ein paar Jahren sind auch quantitative POC-Analysen für Hormone (z. B. TSH) und Tumormarker (FOB, PSA).

"Ein Schnelltest ist kein Ersatz für klinisches Denken — er ist ein Werkzeug, das clinical reasoning schneller und sicherer macht."

— Dr. rer. nat. Peter Kubesch

2. Welche Tests sind sinnvoll?

Nicht jeder POC-Test lohnt sich. Als Faustregel gilt: Ein Test ist sinnvoll, wenn das Ergebnis die unmittelbare Therapieentscheidung beeinflusst. Für die typische Allgemeinarztpraxis empfehlen wir:

  • Influenza A+B saisonal Oktober bis März — antivirale Therapie steht/fällt mit schneller Diagnose
  • RSV saisonal November bis März — vor allem für Pädiater und Heimversorgung relevant
  • Streptokokken A ganzjährig — entscheidet über Antibiose bei Pharyngitis
  • FOB-Schnelltest — kostengünstige Darmkrebsvorsorge ab 50+
  • hCG bei Verdacht auf Schwangerschaft — vor Medikationsentscheidungen

Wann lohnt sich ein Test nicht?

Wenn das Ergebnis die Therapie nicht ändert, gehört der Test ins Labor. Beispiel: Ein Cholesterin-Schnelltest in der Sprechstunde hat selten therapeutische Konsequenzen — der Patient wird sowieso mit Laborauftrag weitergeschickt.

3. Integration in den Praxis-Workflow

Die größte Hürde ist nicht der Test selbst, sondern die Integration. Drei Erfolgsfaktoren:

a) MFA-Training

Testkits werden fast immer von MFA durchgeführt. Eine klare interne Anleitung (bebildert, step-by-step) reduziert Fehler drastisch. Unser Trainings-Guide zeigt ein bewährtes Schema.

b) Dokumentation

Integrieren Sie das Testergebnis direkt in die Patientenakte — inklusive Zeitstempel und durchführender MFA. Das schützt vor Haftungsfragen und schafft Nachvollziehbarkeit.

c) Vorrätigkeit

Schnelltests verderben nicht abrupt, aber Haltbarkeit muss gemanagt werden. Eine Standard-Packung mit 25 Tests reicht in der Einzelpraxis meist 4–8 Wochen.

4. Typische Fehlerquellen

Aus unseren Evaluierungsstudien (u. a. Charité Berlin) kennen wir die häufigsten Fehler:

  • Zu frühe Ablesung — Influenza-Schnelltests brauchen exakt 15 Minuten. Jede Abweichung verfälscht das Ergebnis.
  • Unzureichender Abstrich — Probenmaterial muss vom Nasopharynx kommen, nicht nur aus dem vorderen Nasenraum. Tupfer ca. 15 Sekunden pro Nasenloch drehen.
  • Falsche Lagerung — über 30 °C verliert der Teststreifen Sensitivität. Im Hochsommer: Kühlpack im Versand, Schattenlagerung.
  • Ergebnis ohne Kontrolllinie — muss als ungültig gewertet werden, auch wenn die Testlinie sichtbar ist.

5. Kosten und Abrechnung

POC-Tests sind in Deutschland über die EBM abrechenbar — Details variieren nach Fachgruppe. Für GKV-Patienten sind Influenza-, RSV- und Strep-A-Schnelltests unter bestimmten Voraussetzungen extrabudgetär abrechenbar. Fragen Sie Ihren KV-Berater.

Einkaufsseitig: Eine Packung Influenza A+B (25 Tests) liegt in der Größenordnung von 5–7 € pro Test (Netto, nach Kundenlogin). Staffelrabatte sind üblich.

6. Fazit — Wann starten?

Die Antwort ist meist: jetzt. Für die Grippesaison bedeutet das: Ab August die ersten Kits ordern, im September Training durchführen, ab Oktober produktiv nutzen. Wer erst im November startet, verliert mindestens zwei hochfrequente Saisonwochen.

Über den Autor
Dr. rer. nat. Peter Kubesch

Naturwissenschaftler, Gründer von Burgdorf Medical (2007). Spezialgebiete: Point-of-Care Diagnostik, In-vitro-Diagnostika, Diagnostische Evaluierung.

Alle Beiträge von Dr. Kubesch →

Bereit für den Einstieg in POC?

Beantragen Sie Ihr Kundenkonto und starten Sie mit einer kuratierten Auswahl — ohne Mindestbestellmenge.